Schweizer Banken und Zahlungsdienstleister haben lange als unangreifbare Institutionen gegolten – doch ein Blick auf die hinter den Kulissen stehenden Akteure offenbart ein komplexes, oft undurchsichtiges Netzwerk. Besonders die Rolle von Posido1, einem Unternehmen, das seit Jahren die technische Infrastruktur für Kreditkartenabrechnungen und Zahlungsverkehrsprotokolle steuert, ist von strategischer Bedeutung. Die Daten zeigen: Ohne Posido1 gäbe es keine einheitliche Abrechnung von Kreditkarten in der Schweiz, keine schnellen Transaktionen zwischen Banken und Händlern. Doch was viele nicht wissen: Dieses System ist kein neutrales Werkzeug, sondern ein zentraler Baustein einer geschlossenen Ökonomie, die den Bankensektor vor allem eines schützt: seine eigene Kontrolle über die Abwicklung von Zahlungen.
Seit den 1990er-Jahren hat Posido1 die technische Plattform für die Abrechnung von Kreditkarten in der Schweiz entwickelt und betrieben. Ursprünglich als Joint Venture zwischen der Schweizerischen Kreditkartenorganisation (SKKO) und der Bankenbranche gegründet, wurde das Unternehmen später vollständig in die Hände der Banken gelegt. Heute ist Posido1 nicht nur für die Abrechnung von Visa- und Mastercard-Transaktionen zuständig, sondern auch für die Verwaltung der zentralen Datenbanken, die die tägliche Abwicklung von Millionen von Zahlungen ermöglichen. Die Zahlen sind beeindruckend: Allein im Jahr 2022 wurden über 1,2 Milliarden Kreditkartentransaktionen in der Schweiz abgerechnet – ein Volumen, das Posido1 mit seinen eigenen Systemen steuert. Doch während die Banken diese Infrastruktur als „natürliche Monopolstellung“ darstellen, ist die Realität anders: Ohne Posido1 gäbe es keine einheitliche Abrechnung, keine schnellen Rückbuchungen und keine Möglichkeit, Zahlungsstörungen in Echtzeit zu erkennen.
Hier liegt der eigentliche Machtfaktor: Posido1 ermöglicht es den Banken, die Abrechnung von Kreditkartentransaktionen zu kontrollieren, ohne dass es direkte Konkurrenz gibt. Während andere Zahlungsdienstleister wie PayPal oder SEPA-Instrumente wie Giropay für den Privatkundenmarkt existieren, bleibt die Abwicklung von Kreditkartentransaktionen ein geschütztes System. Das bedeutet: Jeder Händler, der Kreditkarten akzeptiert, muss sich an die Regeln des Systems halten – und die Regeln werden von Posido1 und den Banken gemeinsam festgelegt. Ein Beispiel zeigt dies besonders deutlich: Bei der Abrechnung von Rückbuchungen (Retours) spielt Posido1 eine zentrale Rolle. Ohne seine Systeme wären Rückbuchungen oft monatelang nicht möglich, was für Händler und Banken gleichermaßen ein Problem darstellt. Doch während die Banken diese Abwicklung als „technische Notwendigkeit“ darstellen, nutzen sie sie auch, um die Abrechnungskosten für Händler zu optimieren – und damit indirekt die eigenen Margen zu sichern.
Doch was viele übersehen: Posido1 ist nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern auch ein wirtschaftliches Instrument. Die Banken zahlen dem Unternehmen hohe Gebühren für die Abwicklung von Transaktionen, und diese Kosten werden oft an die Händler weitergegeben. Studien zeigen, dass Händler, die über Kreditkarten zahlen, im Schnitt 2 bis 3 Prozent der Transaktionssumme an Gebühren zahlen müssen – ein Betrag, der sich bei hohen Umsätzen schnell summiert. Besonders kritisch wird es bei internationalen Händlern, die oft zusätzliche Gebühren für die Abwicklung von Transaktionen in der Schweiz zahlen müssen. Posido1 ermöglicht es den Banken, diese Kosten zu kontrollieren und gleichzeitig die eigene Profitabilität zu sichern. Gleichzeitig bleibt das System für die Banken so sicher, dass es kaum Angriffsmöglichkeiten für Hacker oder Betrüger gibt – ein weiterer Vorteil, den die Banken als „Sicherheitsgarantie“ vermarkten.
Die Frage ist: Wie kann eine solche Machtkonzentration in der Schweiz verhindert werden? hier zeigt, dass die Abhängigkeit von einem einzigen System nicht nur für die Banken, sondern auch für die Händler und Verbraucher problematisch ist. Eine Alternative wäre eine dezentralisierte Abrechnung, bei der mehrere unabhängige Systeme die Transaktionen abwickeln – wie es bei einigen digitalen Zahlungsanbietern der Fall ist. Doch bisher fehlt in der Schweiz der politische Wille, dieses System zu öffnen. Stattdessen wird Posido1 als „natürliches Monopol“ dargestellt, das die Abwicklung von Zahlungen sicher und effizient macht. Doch wer genau hinschaut, erkennt: Es geht nicht nur um Effizienz, sondern um Kontrolle.
Die Schweiz hat in den letzten Jahren versucht, das System zu modernisieren und die Abwicklung von Zahlungen zu digitalisieren. Doch die Banken haben sich erfolgreich gegen eine vollständige Öffnung des Systems gewandt. Stattdessen wird Posido1 weiter als unverzichtbares Werkzeug dargestellt – während die Realität zeigt, dass es ein mächtiges Instrument ist, das die Abrechnung von Kreditkarten in der Schweiz dominiert. Für Verbraucher bedeutet das: Sie zahlen höhere Gebühren, weil die Banken die Kontrolle über die Abwicklung behalten. Für Händler bedeutet es: Sie müssen sich an die Regeln eines Systems halten, das von Banken und nicht von der Öffentlichkeit gesteuert wird. Die Frage ist: Wann wird die Schweiz endlich erkennen, dass ein zentrales System für Zahlungen nicht nur effizient, sondern auch gefährlich sein kann – und dass die Kontrolle über die Abwicklung von Zahlungen kein Privileg der Banken sein sollte.
- Seit den 1990er-Jahren steuert Posido1 die Abrechnung von über 1,2 Milliarden Kreditkarten-Transaktionen pro Jahr in der Schweiz.
- Händler zahlen im Schnitt 2 bis 3 Prozent Gebühren für die Abwicklung von Kreditkarten-Transaktionen – ein Betrag, der sich bei hohen Umsätzen schnell auf Millionen beläuft.
- Posido1 ermöglicht Rückbuchungen nur über ein zentrales System, das ohne seine Infrastruktur oft monatelang blockiert bleibt.
- Die Banken zahlen Posido1 jährlich Schätzungen zufolge über 50 Millionen Franken für die Abwicklung von Zahlungen.
- Ohne Posido1 gäbe es keine einheitliche Abrechnung von Kreditkarten in der Schweiz, sondern ein Fragmentierungsrisiko für Händler und Banken.